Die Brennessel – das Superfood und noch vieeeel mehr.

Heute geht es mir um den Mut – den Mut sich von der Pieksigkeit der Brennessel nicht abhalten zu lassen. Denn wenn man weiß, die Brennhaare wachsen von unten nach oben und von innen nach außen und sie sind an der Basis weich und beweglich, nach außen hin spitz und hart, könnte man eine Idee davon bekommen, wie man sie anfasst. Entweder vorsichtig von unten oder innen streichelnd oder kräftig zupackend, damit die Haare abbrechen.

Im August reifen vielfach die Nüsslein der Brennesseln, die sich in einem Sieb wunderbar trocknen lassen und über den Winter eine willkommene, wilde Würze oder nährstoffhaltige Bereicherung über Gemüse, Müsli, Salat oder oder oder sind.

Doch nicht nur vielfältig als kulinarischer Genuss ist sie großartig, sondern auch als Faser – wer schon mal von Nesselstoffen gehört hat, weiß worum es geht. Dabei erntet man eine Pflanze, zupft Blätter und Früchte ab (die lassen sich ja gut weiterverarbeiten…) und kann nun den Stengel vorsichtig weichklopfen. Ich zerdrück ihn auch in der Hand, damit das holzige Innere bricht und sich von den Fasern lösen lässt. An den Wuchsquirlen reisst die außenliegende Faser am ehesten. Dann verzwirne ich die gewonnen Fasern zu Schnürchen. Bevor ich das Verzwirnen kapiert habe, habe ich sie auch geflochten, das dauert länger funktioniert aber auch…

Brennesselbändchen, frisch gezwirnt. Trocknet es, wir es lockerer.

Rose und Johanniskraut – wunderbar um den Sommer einzufangen.

Johanniskraut oder Hypericum perforatum – wenn man die Blätter gegen das Licht hält, sieht man die Nadelfeinen Öl“kämmerchen“, ein Wärmeträger für innen und außen. Mittäglich bei trockenem Wetter gepflückte Blüten und Blätter in feines Öl einlegen und an einem warmen, besonnten Platz über mehrere Tage ausziehen lassen – zwischendurch immer wieder schütteln – bis sich das Öl rot eingefärbt hat. Dann in eine dunkle Flasche abseihen und als Einreibung, für Massagen bei Nervenschmerzen verwenden. Danach Sonnenlicht meiden, da es lichtempfindlicher macht.

Rose – ausgleichend, kühlend – und harmonisierend. Wenn ich wenig Rosenblüten in einen Krug mit Wasser lege, auch zusammen mit Zitronenmelisse, auch Lavendel passt ganz gut dazu, ist jedoch recht intensiv – habe ich den ganzen Tag etwas feines zu trinken und einen Augenschmaus obendrein. Schaut und spürt, welche Pflanze gerade jetzt bei Euch Wirkung entfalten darf – und lasst Euch beleben oder zur Ruhe kommen…

Alles ist gerade voll im Wandel – passend zur Holunderzeit – der ja auch ein Mittler zwischen den Welten und viel Transformatorisches hat und als Schutzpflanze heilend wirkt.

Wir sind schon ein ganzes Stück im Jahr voran gekommen – es ist Holunderzeit – bei mir gerade sehr intensiv. Da die letzten Tage, vor allem Sonntagabend – richtige Unwetter mit bis zu tischtennisballgroßen Hagelkörnern tobte, sieht es auch in der Natur ziemlich zerknickt aus. Die Holundersträucher im Wald wurden teils wie abgeschlagen – als wäre jemand mit einer stumpfen Heckenschere lustlos durchgejagt und ob es jetzt ganz oder nicht ganz ab ist, egal. Gerade die geknickten Dolden nehme ich und auch ein paar mehr. Dazu Vorschläge von meinen Experimenten:

Holundersirup-Tipp – Apfelsaft-Holunder-Gelee – aromatisiertes Fett für Holundergebäck (braucht noch mehr Versuchsphasen, aber die Konsistenz des Zopfes mit dem Fett gebacken war toll)

Holundersirup – Klassiker – es gibt viele Rezepte, aber was ganz wichtig und Familienweisheit ist: Den Holunderblütenansatz, mit Zitrone, Zitronensäure oder einfach Wasser, nicht kochen. Das wird echt bitter. Wenn man es wirklich kochen möchte, erst alle Blüten und Zitronen rausholen. Muss aber gar nicht sein, man kann einfach den Sirup auf ca 75 °C erhitzen und dann in heiß ausgespülte Flaschen geben…

Beste Gründonnerstags-Kräutersuppe

Sodele – jetzt gehts an den Löwenzahn, dem guten Taraxacum aus der Familie der Korbblütler (Asteracaea)…

Eine wunderbare, tiefwurzelnde Pflanze – und gerade voll da.

Man kann von ihm – bis auf die Samen – eigentlich alles kulinarische verwerten.

Ein Favorit sind geröstete Löwenzahnknospen. Essbar sind sie auch roh – doch wenn man sie fein knuspern möchte nehme man die gepflückten Knospen, sie können auch etwas geöffnet sein. Eine Pfanne mit etwas Fett erhitzen und die Knospen darin anrösten. Sie dürfen ein wenig dunkel werden und haben richtig Substanz. Für mein Empfinden sind die Löwenzahnknospen so weniger bitter und können einfach so weggesnackt werden – oder man ist kreativ und probiert anderes aus.

Außerdem habe ich aus den Stielen „Löwenzahn-Nudeln“ gemacht – sie eine Weile in Salzwasser schlapp gekocht. Wasser weggießen. Sie bleiben nocht etwas herb, aber fein und können mit anderen Gemüsen gemischt werden.

Wer die Pusteblumensamen sammelt, hat wunderbare Feueranzünder, wenn man sich die Mühe macht mit Holz oder Feuersteinen und Feuerstahl sein eigenes Feuerlein zu machen.

Was können wir aus dem machen, was uns die Natur zur Verfügung stellt? Eine ganze Menge – und das sollten wir auch wirklich tun, wenn wir einen Impuls haben…

Vorher kann ich mir überlegen – was ist mein Werkzeug – Schnitzmesser, Küchenmesser, Gartenschere, flechte, färbe oder verarbeite ich gerne kulinarisch? Ist mein Zugang eher einer, dass ich etwas in der Natur gestalte und lasse es dann vor Ort wirken, wie Landart – also Kunst in der Natur, mit dem was sich dort findet? Da gibt es kaum Grenzen des eigenen Ausdruck – dann man los – was kommt mir entgegen uns was mach ich draus ist die Haltung, mit der ich losziehe. Manchmal komme ich mit Armen voller Kram heim (zB von gefällten Bäumen und abgeschnittenen Sträuchern) und manchmal habe ich nur ein paar Buchenblätter genascht.

Viel Freude beim Selbermachen – und wenn ihr möchtet, gehen wir gemeinsam auf Entdeckungsreise und gestalten gemeinsam.